„The Death of Melody“ und die Fastfoodkultur, Gedanken

Sehr interessantes Essay. Ich hab zwar keine musikalische Ausbildung (weswegen alles ab hier folgendes auch nur wie alles andere immerzu These aus Beobachtung ist) aber diese Entwicklung ist an mir gefühlsmäßig nicht vorbeigegangen. Vielleicht erklärt das, warum ich als jemand, der im klassischem Rock, Blues und Metal seine musikalischen Wurzeln hat, emotional so überhaupt nichts anfangen kann mit der heutigen Popmusik, welche mehr auf Soundeffekte als auf Melodie ihren Wert legt. Soundeffekte, die oft aufgrund von ihrer Exotik und teils dem Effekt, wie auf ner Tafel zu kratzen, funktionierend und „aufregend“ sind. Aufregend im wahrsten Sinne des Wortes.

Billie Elish hingegen scheint wie das depressive Suizid-Meme als Mensch, beziehungsweise Kunstfigur die aus diesem kulturellen Meme Space sich nährt. Da spielt die Musik eine absolut untergeordnete Rolle und ist mehrr ein Vehikel für eine Ästhetik. Dass es sehr schnell Memes von ihr gab, zeugt meineserachtens auch von der Wechselwirkung ihrer Kunstfigur mit dem Realitätsgefühl und dem Memespace der jüngeren Generation. Depression als Kunst, dabei Low-Effort und funktionell, da es Leute vertraut erscheint oder sie emotional abholt – jedenfalls trifft es einen Zahn der Zeit.

Ich bin froh, dass Subkulturen wie beispielsweise der Heavy Metal größtenteils noch groß auf Melodien beruhen und eigentlich auch nur über diese funktionieren. Ich werde jetzt gleich erstmal „when the wild wind blows“ von Iron Maiden hören.

Ich denke, der Punkt mit der Gewohnheit zu „Informationshäppchen in mundgerechten Stücken“, die der Youtuber gegen Ende als Erklärung anbietet, die schnell verdaut werden können und wenig geistigen Aufwand benötigen, ist die traurige und erschreckende Wahrheit hierbei und ein Symptom der noch jungen Welt von Social Media und der Entwicklung der Internetkultur. Ich rede eh viel zu viel, und ich schreibe viel zu viel, und solche langen Postings wie dieser hier werden auch nicht gelesen – weswegen ich sie viel öfters auf meinen Blog ziehen sollte. (Was ich hiermit getan habe – diesen Text habe ich ursprünglich als Facebook-Posting verfasst). Wir sind es gewohnt, kurze, möglichst schnell zu begreifende Information-Bissen zu kriegen. Eine Entwicklung, die von Musik über Film und Nachrichten vieles umspannt.

Auf lange Sicht fehlt uns dann allen irgendwann die Übung – ich merke selbst, wie ich mir diese Fähigkeiten fast abhanden kommen und wie gerne ich selbst am liebsten Internetfastfood zu mir nehmen würde. Jedoch bin ich noch ein prä-Internet-Kind und habe vermutlich relativ starke humanistische Werte mitgegeben bekommen, ich kann nicht anders und ein intuitives Genervtsein vom Mainstream und eine edgy Trotzhaltung durch meine subkulturelle Jugend als oller Southpark-Grufti helfen mir vielleicht. Ich kreide auch keinem an, wie mir auch selbst nicht, manchmal einfach angenehm blödes Zeug zu konsumieren, der kurzweiligen Ablenkung vom viel zu dystopischen Alltag – jedoch zeugen Trends und Erfolg von einer ernsthaften kulturellen Entwicklung. Welche, vermutlich auch aus mangelnder Bereitschaft zum Risiko und weil es nur ums möglichst schnelle Geld geht, diesen degenerativen Weg beschritt in einer durchkapitalisierten Welt. Die Dynamik von Cancer (dem Internetslang), der Kopie der Kopie ohne dem darüberliegenden Sinn, oberflächlich funktionell, auf kultureller Ebene.

Ich hoffe sehr, dass ein zukünftige Welle der Reflexion und Aufklärung vielleicht solche Negativentwicklungen begreifen kann und ein Umdenken stattfindet. Videos wie dieses, selbst leider auch ironischweise viel zu oberflächlich und mundgerecht für den Feierabend, zeugen zumindest von einem Bedürfnis. Wo eine andere Wertschätzung beginnt. Wo die kurzfristige Befriedigung und Selbst-Evaluierung nicht mehr das hohe Ziel ist. Aber ich fürchte, der gewöhnliche Konsument, der lediglich ein wenig Soma in seinem Zahnrad möchte, dreht sich munter weiter – der einfache Weg. Aber auch da: Wenn das Happening mit dem kulturellen Holzhammer groß genug ist, bewegt sich was. Und vielleicht kriegen die Leute irgendwann auch einfach Hunger.

Ich hoffe auf einen Umbruch, und auf ein Like. Und gerne auf eine Diskussion.

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