„The Death of Melody“ und die Fastfoodkultur, Gedanken

Sehr interessantes Essay. Ich hab zwar keine musikalische Ausbildung (weswegen alles ab hier folgendes auch nur wie alles andere immerzu These aus Beobachtung ist) aber diese Entwicklung ist an mir gefühlsmäßig nicht vorbeigegangen. Vielleicht erklärt das, warum ich als jemand, der im klassischem Rock, Blues und Metal seine musikalischen Wurzeln hat, emotional so überhaupt nichts anfangen kann mit der heutigen Popmusik, welche mehr auf Soundeffekte als auf Melodie ihren Wert legt. Soundeffekte, die oft aufgrund von ihrer Exotik und teils dem Effekt, wie auf ner Tafel zu kratzen, funktionierend und „aufregend“ sind. Aufregend im wahrsten Sinne des Wortes.

Billie Elish hingegen scheint wie das depressive Suizid-Meme als Mensch, beziehungsweise Kunstfigur die aus diesem kulturellen Meme Space sich nährt. Da spielt die Musik eine absolut untergeordnete Rolle und ist mehrr ein Vehikel für eine Ästhetik. Dass es sehr schnell Memes von ihr gab, zeugt meineserachtens auch von der Wechselwirkung ihrer Kunstfigur mit dem Realitätsgefühl und dem Memespace der jüngeren Generation. Depression als Kunst, dabei Low-Effort und funktionell, da es Leute vertraut erscheint oder sie emotional abholt – jedenfalls trifft es einen Zahn der Zeit.

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Interviewparts „Stimmen aus dem Hambacher Forst“ – 26.-30. September 2018

Hier meine Interviewparts rund um die Proteste um den Hambacher Forst.
Ungeschnitten in chronologischer Reihenfolge.

Eigentlich hatte ich vor, eine längere Reportage zu drehen.
Vor Ort habe ich jedoch gemerkt, dass alles etwas anders kommen sollte. Ein riesiges Areal, gefühlter Wintereinbruch im Sommer und den Umständen entsprechend recht kamerascheue Leute und viel Bewegung.

Jedoch habe ich einige liebe Leute getroffen, welche Lust hatten, ein paar Worte zu sagen. Sehr interessante Einblicke. Unter anderem spricht eine Aktivistin, welche Erfahrung auf den Bäumen sammeln konnte und ein Fotograf, welcher nicht ganz so schöne Erfahrungen mit der Polizei machen musste.

Meine Eindrücke lassen sich besser in Worte als in Bilder kleiden, habe ich gemerkt. Aktuell schreibe ich an meinen Eindrücken, die unter anderem die Atmosphäre der Geisterdörfer beschreiben. Ich werde versuchen, einige Aspekte, die mir aufgefallen sind, zu beleuchten.

Die einzelnen Interviewparts sind ebenso als einzelne Videos im Channel zu finden – interessant und hervorzuheben sei dieser Bericht eines Fotografen über Polizei-Brutalität bei der Räumung von Lorien.


Teile von „Stimmen aus dem Hambacher Forst“:
1) Einleitungstext „Gedanken über das Camp und seine Solidarität“
2) Videointerviews

Fotos auf Flickr

„Über die digitale Propaganda – wie man nicht darüber berichtet“; ein kleines Pamphlet mit Linksammlung

Aktuell geht das Thema der Beeinflussung durch Youtube-Algorithmen durch die Presse. Leider bearbeitet es den Punkt „digitale Propaganda“, wie Spiegel Online es nennt, nur teilweise und oft etwas arg oberflächlich. Ein kleiner Versuch, mehr Stichworte und Einblick – wenn selbst auch etwas oberflächlich – in das, was ich als „digitale Propaganda“ wahrnehme, zu liefern. Für newfags empfehlenswert.

… *räusper*

Aaalter, SpOn, geht’s vielleicht ’ne Nummer kleiner..?


(Screenshot von Spiegel Online. Zum Artikel geht’s mit einem Klick auf’s Bild.)

„Digitale Propaganda“ und irgendwas mit dunklem Internetz – da denke ich gleich „oh man, endlich berichtet ein größeres Blättchen mal über die krude Politchose, die seid Jahren abgeht; über Meme Warfare[1], weaponized Autism[2] und den ganzen Agitprop-Mist[3], der mit Memes, Viralbildchen und Trollerei betrieben wird. Oder gar über neueste, krasse Kniffe wie dem neurechten NPC-Meme, welches den politisch Andersdenkenden sogar gleich komplett dehumanisiert[4] (aber immerhin auch umgedreht wird. inb4 „the left can’t meme“[5]). Aber puste Kuchen, „Digitale Propaganda“ ist nur ein beschissener rhetorischer und vor allem falscher Aufhänger dieser BILD für Abiturienten (danke, Pispers![6])…

SPIEGEL ONLINE springt hier nur auf den Bandwagon auf, der seit n paar Tagen rollt und in dem Blätter vor allem darauf hinweisen, dass – wer hätte es gedacht – der „ich zeige dir nur, was du sehen magst“-Algorithmus auf Youtube und Co Echokammern erzeugt und somit Leute sich immer weiter in ne digitale Psychose einwühlen können. Wow, wer hätte es gedacht?! Und wieso faseln sich Leute wie ich und vor allem Sascha Lobo (übrigens ganz tolle Artikel und Vorträge zu diversen Netz-Themen) seit Jahren die Lippen fusslig über Probleme von gelenkter User Experience, sind die großen Freaks und erst jetzt wird diese „ach übrigens, das ist wirklich so!“-Meldung so maßlos und dann doch zu wenig aufgeblasen?

Allein dieses Artikelbild! Also echt, geht’s ne Nummer kleiner?! Und wohl recherchierter, weniger reißerisch und bitte vor allem umfangreicher? Moderne digitale Agitprop ist zu wichtig, zu mächtig und die Leute sich immer noch zu selten dem bewusst, als dass man nicht tiefer bohren sollte. Was nicht die üblichen Propagandamittel (im Artikel benannt sind Musik und auf Agitation getrimmte Videos) in ihrer Schwere herunterspielen sollte. Die aber für mich immer noch „klassische Propaganda“ sind – wo doch Agitprop-Mechaniken wie die moderne psychologische Troll-Kriegsführung eher das Label „digitale Propaganda“ verdienen und für den Mainstream aufbereitet werden müssen; so dass jener Mainstream aufgeklärt werde.

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Gedanken aus dem Hambacher Forst, die Erste – Gedanken über das Camp und seine Solidarität

Ich war vom 24. September bis zum 1. Oktober am Hambacher Forst, um für eine Reportage zu recherchieren. Jedoch kam letztlich alles anders und ich muss noch viel schreiben, um meinen Eindrücke adäquat Gestalt zu verleihen. Ich war krank, habe Stress mit dem bezaubernden Jobcenter und nun erst komme ich langsam dazu, zu arbeiten. Um eine kleine Einleitung zu geben, folgt hier nun mein erster Text, welchen ich bereits vor Ort geschrieben habe. Weitere werden folgen.

Donnerstag, den 27. September – Mittag, 14 Uhr:
Ich sitze auf einer Terrasse vor einem bezaubernden, eine Etage tiefer liegenden Garten und trinke meinen „Morgen“-Kaffee. Ich zünde meine erste Zigarette des Tages an und merke, wie sich dieses klumpige Gefühl in meinem Kopf langsam auflöst.

Ein diffuses Gefühl aus Schuld und falschem Korpsgeist begleitet mich, seitdem ich gestern hier in dieser komfortablen Unterkunft ankam. Nach zwei Tagen im Camp bei Manheim hatte ich gestern Abend das große Privileg, abgeholt zu werden von einer Dame aus Düren – einer Mittelstadt, zwei S-Bahnstationen von Buir entfernt, dem Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst, die nun seit genau zwei Wochen eskaliert sind. Die Nacht verbrachte ich nach zwei langen Tagen wieder in einem gemachten Bett. Anders als diverse Menschen, welche ich die Tage am und um den Wald traf…

Am späten Montag Nachmittag stieg ich am Bahnhof von Buir aus, schleppte mein (wie sich rausstellte viel zu arg) bepacktes Fahrrad die Treppen herab und fuhr gen Norden; über eine Autobahn mit ironisch anmutenden Solartrassen auf den Lärmschutzwällen, hinein in das „Gefahrengebiet“.

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Hallo lieber Fußballgott,

ich bin’s, der Flo. Ja, komisch, wir haben noch nie miteinander gesprochen. Und dann noch über’s Internet. Aber du bist ja sicherlich ein moderner Gott. Ich hab eine Bitte, die von Herzen kommt:

Lass doch bitte die Deutschen schnell aus der WM rausfliegen, ja?
Ihr nationales Ego momentan ist mehr als widerwärtig und angesichts der reichhaltigen Produktpalette wird dir doch sicherlich auch schwach im Magen. Das verstehst du als altruistischer Weltbürger doch sicherlich. Hast du eigentlich einen Magen?

Mexiko könnte ich dir vorschlagen. Oder ein anderes liebes kleines Land, was sonst oft vergessen wird und den Mythos Weltmeister viel eher gebrauchen könnte als die aufgeblasenen Gestalten, die hier bereits wieder den Aufstand gegen Andere proben.

Hab ein schönes Wochenende – falls du denn unseren Kalender teilen solltest.
Mit liebsten Grüßen,
Flo.

PS:
Falls er in deiner Nachbarschaft wohnt, drück Jesus lieb von mir. Er soll nicht traurig sein, Menschen können echt kacke sein.